„Wie komponiert man denn eigentlich ein Lied“, werd´ ich oft gefragt und ehrlich gesagt ist das gar nicht so leicht zu beantworten. Denn ich bin mir nicht sicher, ob es den einen Weg gibt. Ich glaube es gibt viele Wege! Hier sind meine 5 Schritte zum eigenen Song!

Woran denkst Du, wenn Du an einen Komponisten denkst oder an einen Songwriter? An einen verstaubten Schreibtisch? An einen großen Flügel mit Stapeln voll Noten? An ein hippes Studio irgendwo im obersten Stock eines Hochhauses mit Blick über die City?

Ich hab nichts davon. Außer vielleicht den verstaubten Schreibtisch, aber den nutze ich nicht zum komponieren. Im Grunde trifft es auch gar nicht zu, wenn ich sage: Ich komponiere ein Lied. Es ist eher so: Das Lied kommt zu mir.

Komponieren ist nichts, was auf meiner To-Do-Liste steht: Montag, 9: 30 Uhr Song ausdenken. Nö! So funktioniert das nicht! Bei mir jedenfalls nicht! Vielmehr warte ich bis der Song mich findet. Und das ist oft in den unpassendsten Situationen. Zum Beispiel unter der Dusche oder beim Staubsaugen. Oder – ganz unpraktisch – unterwegs beim Autofahren. Denn normalerweise sing ich meine Idee sofort ins Handy um mich später daran zu erinnern. Beim Autofahren ist das aber schwierig!

Schritt 1 zum eigenen Song: Lass die Idee zu Dir kommen

Der Kindersommer-Song ist mir eingefallen als ich vor dem Rechner saß und ungefähr tausend andere Sachen zu tun gehabt hätte. Die hab ich dann verschoben und mich erstmal meiner Idee gewidmet! Ich bin also ans Klavier und hab das, was in meinem Kopf war, nachgespielt. Bestimmt gibt es auch andere Wege. Vielleicht schreiben manche Songwriter erst die Idee auf und spielen sie dann. Ich muss sie sofort nachspielen! Mein Kopf denkt sich ja nicht nur die Melodie aus, sondern stellt sich das Lied komplett vor. Den Charakter, den Duktus der Begleitung, Melodie und Text. Manchmal muss ich die Idee noch etwas verfeinern. Manchmal ist der Text sperrig und ich möchte nachbessern. Manchmal passt mir die Lage nicht und ich transponiere das ganze Lied. (Transponieren heißt in einer anderen Tonart spielen, also höher oder tiefer, so dass der Charakter besser durchkommst oder das Lied bequemer zu singen ist).

Schritt 2 zum eigenen Song: Aufs Instrument bringen

Dann ist der Song im Grunde fertig. Melodie, Text, Harmonik, Begleitung! Alles da! Ich nehm dann meistens ein Video oder Audio auf um mein Lied zu konservieren. Was jetzt kommt ist eigentlich Fleißarbeit: Das Aufschreiben. Ich nehme also Notenpapier und Stift und schreibe Melodie, Text und Harmonik auf. (Harmonik sind zum Beispiel die Akkorde, mit der die Melodie begleitet werden soll.) Manchmal ist der Text sperrig und ich möchte nachbessern. Manchmal passt mir die Lage nicht und ich transponiere das ganze Lied. (Transponieren heißt in einer anderen Tonart spielen, also höher oder tiefer, so dass der Charakter besser durchkommst oder das Lied bequemer zu singen ist).

Der Titelsong für den kunterbunten Kindersommer

Meine Aufgabe war es einen kurzen einprägsamen Titelsong für unseren kunterbunten Kindersommer zu schreiben. Und während ich noch dabei war die anderen Punkte zu erledigen, kam plötzlich dieses „Ku ku ku ku“ in meinen Kopf! Und zu dem „ku ku ku ku“ geseellte sich „ka“ und schließlich „ko“. Fertig war die Idee und der Titelsong war geboren! In diesem Fall ist es kein kompletter Song, sondern eine prägnante Musik mit Wiedererkennungseffekt für Kinder von 3 bis 8. Und weil grade die Kleineren Spiel mit Buchstaben, Silben und Wörtern lieben, kamen meine „ku-ka-ko“-Ideen grade recht. Daraus werde ich noch ein Jingle ableiten, das für die Videos des Kindersommers als Anfangsmelodie verwendet wird und eine Musik ohne Text, die als Hintergrundmusik in die Videos geschnitten wird.

Warum ich nicht gleich meine Idee aufschreibe? Also Schritt 2 weglasse? Ganz einfach: Wenn meine Idee zu mir kommt, dann will sie schnell umgesetzt werden und so schnell kann ich nicht schreiben😊 Deswegen geh ich immer erst ans Klavier. Außerdem mag ich es, wenn ich das, was ich in meinem Kopf höre, auch „in echt“ hörbar mache. Und zwar so schnell wie möglich. Dann schreib ich sie auf.

Schritt 3 zum eigenen Song: Aufschreiben

Ist der Song auf Papier notiert, dann tippe ich alles in den Rechner. Oft nehme ich auch gleich den Rechner. Die Begleitung schreibe ich in der Regel nicht aus, sondern fixiere nur die Akkorde. Die Patterns bleiben in meinem Kopf. Hier kommst Du zum Video, wo Du sehen kannst, wie ich das mache.

Schritt 4 zum eigenen Song: Eintippen

Die Komposition mit einem Notenschreibprogramm festzuhalten hat mehrere Vorteile:

  • Bessere Lesbarkeit. Meine Notenschrift ist wie jede Handschrift nicht so akkurat wie Gedrucktes.
  • Leichtere Vervielfältigung: Die Datei lässt sich zig mal ausdrucken und als pdf auch unkompliziert verschicken oder zum Download zur Verfügung stellen.
  • Schnelle Änderungsmöglichkeiten:  Der eine Begleitakkord ändert sich, die Textstelle wird doch anders, ein Takt muss eingefügt werden. Das alles ist am PC völlig unproblematisch. Drei Klicks und fertig! Auch ist es sehr leicht das Ganze zu transponieren, wenn eine andere Lage gebraucht wird. Zum Beispiel, wenn der Sänger das Lied tiefer oder höher möchte oder wenn ein Instrument mitspielen möchte, für das eine andere Tonart bequemer ist. Grundsätzlich mag ich aber das Original, denn eine andere Tonart verändert auch den Charakter.

Hier siehst Du wie ich das Ganze eintippe.

Schritt 5 zum eigenen Song: Musik machen

Jetzt ist der Song fertig! Kleine bzw. kurze Lieder durchlaufen bei mir diesen Entstehungsprozess. Längere oder komplexere Musik entsteht oft in mehreren Etappen. Die Schritte wiederholen sich oder wechseln sich ab. So kann es sein, dass ich grade bei aufwändigeren Instrumentalsachen einen Teil tippe um dann die nächste Idee zu verarbeiten. Es ist wie immer bei Musik: Es ist nichts in Stein gemeißelt. Es gibt unendliche Möglichkeiten!

Das ist ja das Großartige und ein Grund, warum ich Musik so liebe! Es ist für jeden etwas dabei und es gibt tausend Wege! Ich kann Dich nur ermutigen es zu probieren! Lass Dich von einer Idee finden und dann setz sie um! Der erste Schritt ist, deine „nackte“ und unbearbeitete Idee in einem Audio festzuhalten. Trau Dich! Es macht riesig Spaß so schöpferisch tätig zu sein!

Lass mich in den Kommentaren wissen, an welcher Stelle Du Hilfe brauchst! Bei der Umsetzung aufs Instrument? Oder beim Notieren in Noten? Erfahrungsgemäß fällt Ersteres noch leicht. Meine Schüler brauchen oft Unterstützung beim Aufschreiben und ich helfe da gerne! Ich bin gespannt wie es Dir geht!

Musik zu komponieren ist gar nicht so schwer! Und ich bin immer selber stolz, wenn meine Schüler ein neues Werk fertig haben und es kaum fassen können, dass es aus ihrer Feder stammt! Das Gefühl ist überwältigend!

Hier bekommst Du mehr Infos über den kunterbunten Kindersommer und seinen Titelsong

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